Halbtrockenrasen an der Bahnlinie bei Hamlar (ND-06661)

Bahngruben östlich Hamlar  
Dieser völlig isolierte Magerrasen liegt in einer ehemaligen Kiesentnahmestelle südlich der Bahnstrecke Donauwörth-Rain, knapp 4 km westlich des Lech. Die kleine Fläche ist durch Randeinflüsse stark gefährdet. In der westlichen, stärker degradierten Teilfläche führen Ablagerungen zu einer anhaltenden Eutrophierung (Nährstoffanreicherung v. a.  Stickstoff und Phosphor). Aus arealgeographischer Sicht ist diese Fläche sehr bemerkenswert, denn sie enthält wohl einen der nördlichsten Fundorte von Carex sempervirens (Immergrüne Segge) in der gesamten Bundesrepublik!

GPS-Ortung:       48° 41′ 35.94" N, 10° 50′ 36.79" E ; Höhe: 401 m ü. NN
Aufgenommen:  Juni 2003
Eigentümer:        LK Donau-Ries
Schutzstatus:       Naturdenkmal - Wiese (ND-06661)

Foto: W. Grüner:         Horst-Segge (Carex sempervirens)

Halbtrockenrasen, dichte, wiesenähnliche Bestände trockenwarmer Standorte auf Kalk, Löß oder basisch verwitternden Silicatgesteinen der planaren bis montanen Stufe. Neben den dominierenden Süßgräsern (z.B. Trespe, Zwenke, Schillergras) kommen in den artenreichen Beständen zahlreiche Lippenblütler (z.B. Brunelle, Salbei, Ziest, Gamander), Hülsenfrüchtler (Schneckenklee, Wundklee, Hornklee, Hufeisenklee) und Orchideen (Knabenkraut, Ragwurz) vor. Halbtrockenrasen entstanden durch die Auflichtung und Rodung von Wäldern und eine anschließende extensive Mahd und Beweidung (meist durch Schafe). Als Ersatzgesellschaft zweiten Grades können sie sich auch auf ehemaligem Ackerland oder (in der kollinen Stufe) auf Weinbergsbrachen bilden. Durch Düngung können sie in Fettwiesen (Arrhenatheretalia) gleicher Trockenheitsstufe überführt werden. Nach ihren Verbreitungsschwerpunkten unterscheidet man die submediterran verbreiteten Gesellschaften des Mesobromion sowie die subkontinentalen des Cirsio-Brachypodion und der Agropyretea intermedio-repentis (letztere auf halbruderalen Standorten). Durch die aufgrund von Nutzungsänderungen (meist Brache) einsetzende Sukzession (Versaumung, Verbuschung: Einwanderung von Saumarten [Trifolio-Geranietea] und Gehölzen [Rhamno-Prunetea]) sind zahlreiche konkurrenzschwache, lichtbedürftige und niedrigwüchsige Pflanzen der Halbtrockenrasen sowie die auf sie angewiesenen Tierarten in ihrem Bestand gefährdet. Ein dauerhafter Schutz dieser teilweise landschaftsprägenden Formation ist nur durch Maßnahmen der Landschaftspflege möglich, die dabei auf (subventionierte) traditionelle Nutzungsformen zurückgreift.

Literaturhinweis:
Lexikon der Biologie - Spektrum der Wissenschaft

Foto: W. Grüner       Halbtrockenrasen östlich Hamlar, zwischen Bahnlinie Donauwörth-Ingolstadt und B16,

Foto: W. Grüner      Fundort von Carex sempervirens (Immergrüne Segge) in der Bundesrepublik!

Foto: W. Grüner         blühende Wildblumen- Gräser (Brunelle, Salbei, Ziest, Gamander)

Foto: W. Grüner               blühender Horn-Sauerklee (Oxalis corniculata)

Vorkommende Orchideen Halbtrockenrasen Asbach-Bäumenheim/OT Hamlar

Foto: W. Grüner
Gem. Natternkopf
(Echium vulgare)

Foto: W. Grüner
Purpur-Knabenkraut
(Orchis purpurea)

Foto: W. Grüner
Echter Beinwell
(Symphytum officinale)

Foto: W. Grüner
​Sumpf-Stendelwurz
(Epipactis palustris)

Foto: W. Grüner
 Große Händelwurz 
(Gymnadesia Conopsea)

Foto: W. Grüner
 Sumpfwurz
(Epipactis palustris)